Great Expectations

Ein ganz normaler Donnerstagnachmittag im Büro. Ich starre gerade ein paar Luftlöcher an die Decke. Der Nagellack auf meinen Fingernägeln trocknet heute nur sehr, sehr langsam. Ich atme. Mehrfach. Puh.

Da – ein Geräusch! OhmeinGottdasTelefonschellt!!!

“Guuuuuden Taaaach, Müller-Schulze-Schmidt mein Name. Ich tät gern mal den Herrn Tauber sprechen – oder am besten lieber gleich die Kanzlerin, die Frau Määärkel.”

Nichts leichter als das, denn:

Mein Name ist Ruppert. Esther Ruppert.

Und ich arbeite in der Schaltzentrale der Macht.

Washington D.C., Paris, Berlin, Wahlkreisbüro Gründau-Lieblos.

Bäääääääm.

In einer Reihe mit den ganz großen. Der richtig heiße Scheiß. Auf Du und Du mit Spitzenpolitikern. Meinem Chef zum Beispiel. Und… ähm.

Egal:  Wenn irgendwo in der Welt ein Problem entsteht, dann bin ich zur Stelle. Ein kurzer Anruf genügt. Sie wollen direkt mit der Kanzlerin sprechen? Kein Ding, ich verbinde! Gerne buche ich Ihnen auch ihre nächste Urlaubsreise zum Jupiter oder vermittle Ihnen einen Termin in der Bürgersprechstunde von Mahatma Gandhi. Sie wünschen sich, dass Prinzessin Diana und Prinz Charles es noch einmal miteinander versuchen? Klar – und für das nächste Konzert von Elvis besorge ich Ihnen rucki-zucki eine Freikarte. Wie wär’s darüber hinaus mit Umfragewerten über 25 Prozent für die SPD? Oder Nutella ohne Kalorien?

MAN REICHE MIR EINEN KREIS, DAMIT ICH EIN QUADRAT DARAUS FORMEN KANN!

Wie bitte? Sie wollen, dass die Offenbacher Kickers Deutscher Meister werden?

Jetzt bitte mal nicht übermütig werden: (T)Zaubern kann ich nicht.

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Echte Liebe gibt’s nicht in Wolfsburg

Zunächst eine Warnung: Dies wird ein subjektiver Text. Ein sehr, sehr subjektiver Text. Aber das muss jetzt einfach mal sein, weil Fußball an sich eine sehr subjektive Angelegenheit ist, die man rational nicht erklären kann. Für Fußball interessiere ich mich seit ich elf Jahre alt bin. Das war 1990 und Deutschland war gerade zum dritten Mal Fußballweltmeister geworden. Ich bin also ein echter Erfolgsfan, wenn man so will. Das zeigt sich auch daran, dass ich in Folge dieses Großereignisses zu einer glühenden Verehrerin des 1. FC Kaiserslautern avancierte, der in der Nach-Weltmeister-Saison 1991 sensationell Deutscher Meister wurde. Damals konnte ich freilich noch nicht wissen, dass Erfolg und der FCK zehn Jahre später ungefähr so gut zusammenpassen würden wie eine Sahnetorte mit Wasabi-Füllung – aber das ist ein anderes Thema.

Wer Fan eines Vereins ist, der braucht neben Fußballsachverstand (Eckball, Abseits, Foulelfmeter etc. etc.) vor allen Dingen eins: ein ordentliches Feindbild. In meinen Anfangsfanjahren war das der FC Bayern München, den ich ob seiner Transferpolitik (Ihr kauft uns nicht nur Bruno Labbadia sondern auch noch Ciriaco Sforza gleich zweimal weg – really?!?) von ganzem Herzen und mit großer Inbrunst verabscheute. Dann verloren die Bayern im Jahr 1999 das Champions League-Finale in letzter Minute gegen Manchester und ich verspürte seltsamerweise so etwas wie Mitleid, was ich hinter fachmännischen Analysen („Pah, jetzt seht ihr mal, wie das ist, wenn man in letzter Minute so ein Scheißtor fängt!“) zu verstecken versuchte.

Später dann fingen die Bayern an, auf junge Spieler wie Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller zu setzen, die seit gefühlt 100 Jahren das Bayern-Trikot tragen. Sympathiebolzen wie Claudio Pizarro dürfen sich auf der Bayern-Bank ihr Gnadenbrot verdienen und einen großartigen Präsidenten (nein, nicht Uli Hoeneß, sondern Kurt Landauer) hatten sie auch mal. Kurz gesagt: Ich hasse die Bayern nicht mehr. Sie sind mir im Großen und Ganzen herzlich egal und wenn sie in der Champions League Real Madrid – oder besser gesagt: Cristiano Ronaldo – mal ordentlich eine vor den Latz knallen, dann freue ich mich sogar ein bisschen (okaaaaaaaay, ich raste dann dezent aus).

Dem Fußballgott sei es gedankt, dass das nächste Feindbild schon auf mich wartete. Beruflich hatte es mich mittlerweile in die Nähe von Frankfurt verschlagen. Und dort traf ich auf so ziemlich das schlimmste (nach Waldhof Mannheim) was es für Lautern-Fans gibt: Eintracht-Fans. Ein Großteil meiner geschätzten Ex-Redakteurskollegen ist dieser Geschmacksverirrung erlegen und auch meine neuen Kollegen im Bundestagsbüro haben von ihren Vätern und Großvätern in dieser Angelegenheit nur Blödsinn mit den auf den Weg bekommen. Seit Jahren ist es für mich also lieb gewordene Tradition geworden, mir verbale Scharmützel auf höchstem intellektuellen Niveau („Absteiger!“ „Idrissou spielt Champions League“, „Natürlich war das damals 1992 in Rostock KEIN Elfmeter. Dem Schiri sollte man auf dem Römer ein Denkmal bauen“, „Zweimal Meister, zweimal Pokalsieger in den 90ern!“, „Und trotzdem dreimal abgestiegen“, „Antalya-Cup-Sieger 2011“, „Sag ich doch: Absteiger!!!“) zu liefern.

Kurz zusammengefasst: Die Frankfurter Eintracht der 2000er ist mein FC Bayern der 90er. Meinem FCK in herzlicher Abneigung verbunden aufgrund jahrzehntelanger Duelle auf und neben dem Platz (Stichwort: Schlachtfest in der Pfalz. Räusper.)

Und dann gibt Vereine wie den VfL Wolfsburg. Seit 1997 in der ersten Liga zuhause und als VW-Werksverein schon damals ein bisschen das Schmuddelkind der Bundesliga, vergleichbar mit anderen Sponsored-by-Papi-Clubs wie Bayer Leverkusen, RB Leipzig und der TSG Hoffenheim. Diese Wolfsburger also, die 2009 unter Felix Magath (das ist, der, der den Kader später auf gefühlt 100 Spieler aufblähte, so dass der VfL spielend eine eigene Mini-Liga gegen sich selbst ins Leben hätte rufen können) Deutscher Meister wurden, waren am Dienstagabend in Frankfurt zu Gast. Ein echtes Kracherspiel, sollte man meinen, immerhin belegt der VfL derzeit Platz zwei der Liga und hat am Freitagabend den FC Bayern mit einem furiosen 4:1 vom Platz gefegt. Auf die Besucherzahlen für das Match gegen Frankfurt hat sich das allerdings nicht ausgewirkt: 34400 zahlende Gäste, das bedeutet Minusrekord in dieser Saison. Läppische 200 Wolfsburg-Anhänger, darunter wahrscheinlich etliche VW-Pensionäre auf Kaffeefahrt, spielten in der Commerzbank-Arena, die für mich auf immer und ewig das Waldstadion bleiben wird, „Mein rechter, rechter Platz ist leer“.

Und da frage ich euch, liebe Leser, die ihr bis hierhin durchgehalten habt (dafür Respekt und Anerkennung!): Wollt ihr das wirklich? Wollt ihr in der Bundesliga künftig nur noch gegen künstlich aufgepimpte Retortenvereine ohne Ecken und Kanten spielen? Wollt ihr am Stammtisch nur noch in der „guten alten Zeit“ schwelgen können, als Fußballschuhe noch schwarz und nicht schweinchenrosa (Und die scheiß Herzen plus der  Name der gerade aktuellen Spielerfrau! Vergiss die scheiß Herzen nicht!!!) waren? Als Weltmeister wie André Schürrle zu Inter Mailand oder Real Madrid aber doch nicht – verdammt noch mal! – nach WOLFSBURG wechselten?

Am Dienstagabend habe ich das erste Mal Mitleid mit den Fans der Frankfurter Eintracht gehabt. Weil sie sich das Stadion mit diesem kläglichen grün-weißen Werder Bremen-Abklatsch (Ich sage nur De Bruyne, Naldo, Hunt, Allofs) teilen mussten, dessen einziger Beitrag zur Stimmung im Stadion daraus bestand, die kalte Frankfurter Februar-Luft wegzuatmen.

Nein, liebe Wolfsburger: André Schürrle mögt ihr für 32 Millionen bekommen haben. Aber die Herzen von uns echten Fußballfans aus Lautern, Frankfurt, Darmstadt, Offenbach, Bremen, Hamburg, Dortmund, Schalke, Gladbach und wegen mir auch München kriegt ihr nicht. Tore kann man vielleicht kaufen.

Echte Liebe (Gruß an den BVB!) nicht.

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Mohammeds Tränen

Mohammed weint. Zu Recht, wie ich finde, denn in seinem Namen haben radikale Islamisten allein in der vergangenen Woche in Paris 17 Menschen und in Nigeria mehrere tausend Menschen getötet. Da darf man schon mal trotz Abbildungsverbot öffentlich ein paar Tränen vergießen und wenn es nur aus Gründen des Fremdschämens ist.

Mehrfach habe ich in den vergangenen Tagen folgende Interpretation des aktuellen Charlie-Hebdo-Covers gelesen: Die Tränen des Propheten, verbunden mit dem Slogan „Alles ist vergeben“, seien eine große Geste der Versöhnung, eine Handreichung  an alle Muslime als Zeichen des Verzeihens. Seltsam, ich kann mich gar nicht erinnern mit „allen“ Muslimen im Clinch gelegen zu haben – aber das sei nur am Rande bemerkt.

Ich verstehe die Zeichnung ohnehin gänzlich anders: Der Prophet weint. Das ist aller Ehren wert. Aber „Alles ist vergeben“?!? Charlie Hebdo wäre nicht Charlie Hebdo, wenn dahinter nicht eine ironische, in Anbetracht der Umstände völlig zurecht zynische Botschaft stecken würde: Mit ein paar wohlfeilen Tränen ist es nicht getan. Taten müssen folgen. Radikales Gedankengut darf nirgendwo auf fruchtbaren Boden fallen, weder in Syrien noch in Dresden.

Auch der Generation unserer Großväter und Urgroßväter hat man nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges die Hand gereicht. Annehmen muss man die ausgesteckte Hand allerdings auch. Nicht nur aus Vernunft. Sondern aus vollem Herzen.

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Stadionkodex für das Singen ethisch-moralisch vertretbarer Fußballsongs

Nach dem  „Gaucho-Gate” ist das Singen folgender Lieder ab sofort verboten:

–          „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“ (Sexuelle Belästigung)

–          „Schwarz-weiß wie Schnee, das ist die SGE“ (Verherrlichung von Drogen)

–           „You`ll  never walk alone” (Gefahr staatlicher Überwachung)

–          „Er steht im Tor“ (Gendertechnisch `ne Katastrophe)

–          „Black and White“ (Rassistisch)

–          „Un Estate Italiana“ (Nationalistisch)

–          „Die Hände zum Himmel“ (Schlechte Erfahrungen gemacht)

–          „Er macht ihn rein“ (Schweinskram)

–          „Wir würden nie zum FC Bayern München gehen“ (Lüge)

–           „Fußball und Dosenbier“ (Schlechtes Vorbild für die Jugend)

–           „Seven Nation Army“ (Militaristisch)

–          „Schland, oh Schland“ (Verhunzung der Sprache Goethes und Schillers)

–          „Gute Freunde kann niemand trennen“ (Franz Beckenbauer)

–          „Forever Number one“ (Klingt nach 1000-jährigem Reich)

–          „Rockin’All Over the World“ (Nein, einfach NEIN!!!)

Weiterhin erlaubt sind folgende Songs:

–          „Olé, olé“ (Niedrigschwelliges Angebot für Einsteiger-Fans)

–          „Deutscher Meister wird nur der FCK“ (Tatsache)

Gutmenschentum: 1

Gesunder Menschenverstand: Nuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuull

Bitte! Danke!

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Wer raus geht, muss auch wieder reinkommen

Die mir völlig unbekannte Frau in der Bäckerei kommt ohne Umschweife auf den Punkt: „Also ich wollte Ihnen nur sagen: Ich vermisse Ihre Polituren total“. Bilde ich mir das ein oder schaut sie tatsächlich ein bisschen vorwurfsvoll? Nun ja, jetzt jedenfalls lächelt sie ganz freundlich. „Ähm, danke“, sage ich und werde ein bisschen rot dabei, obwohl mir das als Mitarbeiterin eines CDU-Bundestagsabgeordneten wahrscheinlich vertraglich gar nicht mehr erlaubt ist und obwohl ich mir hinterher denke, dass „Danke“ in der Hitliste der dämlichsten Antworten in diesem konkreten Fall wahrscheinlich ziemlich weit oben stehen dürfte.

Vor drei Monaten habe ich meinen Job als Redakteurin bei der GNZ an den Nagel gehängt und damit auch meine samstägliche Glosse, die „Polituren“, zurückgelassen. Leicht gefallen ist mir das nicht. Der Gedanke „Das muss ich mir für die Polituren merken!“ durchzuckt mich bei der morgendlichen Lektüre der heimischen Tageszeitungen regelmäßig. Beispielsweise konnte ich dem Wächtersbacher Bürgermeister Rainer Krätschmer gar nicht zu seiner Auszeichnung als „Mensch des Jahres“ gratulieren. Wobei man an dieser Stelle festhalten muss, dass die Menschen in der Wächtersbacher Partnerstadt Troizk entweder a) sehr pessimistisch oder b) äußerst genügsam sind, wenn sie eine Auszeichnung mit dieser Tragweite bereits im Februar verleihen. Aber sei es drum, diese Würdigung für sein Lebenswerk hat der SPD-Mann ohne Zweifel verdient, auch weil er – wie er selbst in aller Bescheidenheit sagt – meinen Chef Dr. Peter Tauber erst zudem gemacht hat, was er heute ist: einen CDU´ler aus tiefster Überzeugung.

Dass die beiden sich dennoch trotz aller politischen Meinungsverschiedenheiten irgendwie auf eine tiefenpsychologisch wahrscheinlich äußerst spannende Art und Weise verbunden sind, beweist folgende kleine Begebenheit, die ich vor einigen Wochen am Rande einer Veranstaltung erleben durfte: Im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten und Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Michael Roth, in der evangelischen Kirche in Wächtersbach kam Peter Tauber immer und immer wieder auf seinen alten kommunalpolitischen Kumpan Rainer Krätschmer zu sprechen. Bis es Michael Roth irgendwann zu bunt wurde und er leicht empört wissen wollte: „Wer ist eigentlich dieser Rainer Krätschmer?“ Sie können sich sicher vorstellen, was für ein Raunen durch das Gotteshaus ging! „Der kennt den Krätschmer nicht! Den Mensch des Jahres! Und das, obwohl er doch selbst ein Sozi ist!“ Glücklicherweise – oder besser gesagt: Gott sei Dank! – befanden wir uns nicht in katholischer Gesellschaft, sonst hätte sich die Tür zum Fegefeuer für Herrn Roth wahrscheinlich umgehend geöffnet. Aber weil ich ja keine „Polituren“ mehr schreibe, wird nie jemand von dieser lustigen Begebenheit erfahren. Wobei…ups. Naja, weiter im Text.

Und dann ist da noch die Sache mit der Nostalgie. Bei einem Arztbesuch fühlte ich mich neulich angesichts der der gereizten Stimmung im Wartezimmer, der teilweise wirren Diskussionen meiner Mit-Wartenden in breitestem hessisch sowie einer strickenden Sitznachbarin so fatal an meine geliebten Kreistagssitzungen erinnert, dass der Schmerz, der mich plötzlich erfasste, mich mein eigentliches Leiden fast vergessen ließ. Kinder, was hatten wir für eine tolle Zeit! Vormittage, die sich wie Jahre dahinzogen, Jahre, die sich im Rückblick wie Jahrhunderte anfühlen. Jede einzelne dieser gefühlt Abermillionen Sekunden hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt. Sowas vergisst man nicht so einfach. Selbst man wollte. Selbst wenn es verdammt noch mal sehr gern wollte!

Das einzige, was mir geblieben ist, ist mein Chef. Sie wissen schon, das ist dieser Generalsekretär der CDU Deutschlands. Der, der die versammelte Journalisten-Schar Deutschlands seit Wochen mit Star-Wars-Zitaten begeistert. Nicht verstehen ich das muss. Aber amüsieren darüber ich dennoch mich kann! Und während ich nun also irgendwie auf der dunklen Seite der Macht gelandet bin (nett hier!) fiel mir ein, dass es da ja noch dieses putzige kleine Blog gibt, das ich in den vergangenen Monaten so sträflich vernachlässigt habe. Hier werde ich nun also in unregelmäßigen Abständen von meinen neuen Alltag berichten. Wie immer rein subjektiv, was objektiv gesehen auch einfach viel unterhaltsamer ist.

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Je <3 rien, je suis parisienne

Wer kennt sie nicht, die berühmten “I <3 New York”-T-Shirts aus einschlägigen  Touristenshops in den USA? In Paris hört sich das ein bisschen anders an: “Je <3 rien, je suis parisienne” prangt auf dem Shirt in dem kleinen Straßenladen um die Ecke. Wir halten fest: an Selbstbewusstsein mangelt es den Parisern schonmal  nicht. Warum auch? Zugegeben, das mit Paris und mir, das war Liebe auf den zweiten Blick. Nach einem eher unschönen Erlebnis, an dem eine Kuttelwurst (Warnung, en française: “Andouillette”) nicht ganz unschuldig war, habe ich der Stadt an der Seine nach zahlreichen kürzeren und längeren Stippvisiten in den vergangenen Monaten viele positive Seiten abgewinnen können. Hier meine ganz persönlichen Tipps und Highlights.

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Blick auf Eiffelturm und Champ de Mars.

Disneyland Paris

Die Franzosen stehen allem amerikanischen bekanntlich etwas… nun, nennen wir es “skeptisch” gegenüber. Das gilt offenbar nicht für Disneyland, jedenfalls war dort die Hölle los. Wer sich auch nur ein klitzebisschen Kindsein bewahrt hat, wird hier viel Spaß haben. (Und ich kann das beurteilen, ich bin zehn Stunden lang mit Minnie-Maus-Ohren auf dem Kopf durch den Park gestapft.) Besonders empfehlenswert aus meiner Sicht: Big Thunder Mountain, das Geisterhaus, die Piraten der Karibik und natürlich ein Flug übers nächtliche London mit Peter Pan (#hach). Die benachbarten Walt Disney Studios bieten unter anderem Spaß in Crush’s Coaster  und eine rasante Fahrt im Armageddon Rock’n Rollercoaster (ohne Bruce Willis, dafür mit Mucke von Aerosmith). Bringt bequeme Schuhe mit und Zeit zum Anstehen. Insgesamt leider kein billiger Spaß (das Tagesticket kostet circa 70 Euro für Erwachsene, 64 Euro für Kinder) – aber, hey: that’s Paris (zumindest geografisch)!

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Cinderella’s Castle.

Das Riesenrad am Place de la Concorde

Für zehn Euro pro Nase genießt man einen einmaligen Blick über die Avenue de Champs-Élysées. Abends besonders schön, wenn die Stadt unter einem glitzert und funkelt. Jacke nicht vergessen. Da oben zieht’s!

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Hoch hinaus im Riesenrad.

Château de Versailles

Marie-Antoinette haben wir nicht getroffen, wahrscheinlich gab’s deswegen auch keinen Kuchen. Trotzdem: sehenswert, sehenswert, sehenswert! Französische Geschichte bis zum Abwinken und auch ein bisschen deutsche (Stichwort “Spiegelsaal” und “Versailler Vertrag”). Tolle Schlachtenbilder für die Jungs, viel Brokat und Kronleuchter-Pomp für die Mädels. Tipp: Am ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt (wie in vielen staatlichen Museen) kostenlos.

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Im Spiegelsaal wurde Geschichte geschrieben.

Rue Montorgueil/Quartier Les Halles

Das “Forum Les Halles” ist ein riesiges unterirdisches Einkaufszentrum mit rund 160 Einzelhandelgeschäften. Besonders empfehlenswert ist der ENORME Buchladen fnac, der alles hat, was des Literaten Herz begehrt.(Allerdings sollte des Literaten-Herz der französischen Sprache mächtig sein, da der Bestand an ausländischer Literatur Platz auf einem mickrigen Regal in Ikea-Billy-Standard-Größe findet.) Unweit davon (oberirdisch, logo) befindet sich die Rue Montorgueil, ein wirklich sehr belebtes Kneipen- und Ausgehviertel. Hier sitzt man an allen Tagen bis spät in die Nacht an kleinen Bistrotischen, am liebsten draußen vor der Tür, gewärmt von französischem Rotwein und umweltunfreundlichen Heizpilzen. Rotlackierte Damenfinger halten dabei fakultativ eine Zigarette in der Hand und fuchteln damit dramatisch in der Luft herum. Geht aber auch ohne Kippe.

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Reger Betrieb rund um die Rue Montorgueil.

Jardin du Luxembourg

Der Park zieht nicht nur Sonntagsausflügler aller Altersklassen an. Auf rund 26 Hektar gepflegter Gartenfläche kann man rund um das Palais du Luxembourg, den Sitz des französischen Senats, flanieren. Für Kinder gibt es ein Kasperletheater, Ponyreiten und Kutschfahrten; größere Kinder und ehemalige Kinder können mitgebrachte Modelboote in einem  großen Wasserbassin in See stechen lassen. Insbesondere für die zahlreichen Studenten der benachbarten Universität wurden ebenso zahlreiche Klappstühle im Park verteilt, auf denen es sich herrlich die Nase in die Sonne (Wind, Regen, Imbissduft von nebenan…)  halten lässt.

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Das Palais du Luxembourg ist der Sitz des französischen Senats.

Galeries Lafayette/Kaufhaus “Printemps”

Wer in kurzer Zeit viel Geld ausgeben möchte, dem sei ein Abstecher in die “Grand magasins” am Boulevard Haussmann empfohlen. In unmittelbarer Nachbarschaft bieten die Galeries Lafayette und das Edel-Kaufhaus “Printemps” alles, was das Shopping-Herz begehrt. Wer die wirklich knackigen Preise nicht bezahlen kann, kann sich hier zumindest reichlich Inspiration für die nächste Saison holen – völlig kostenlos.

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Pariser Mode?

Tour Montparnasse

Eine wirklich sehr lohnenswerte Investition sind die 14 Euro, die man pro Person für eine Fahrt auf den Tour Montparnasse hinlegen muss. Das 210 Meter hohe Bürogebäude war bis 2011 das höchste Gebäude Frankreichs und bietet einen atemberaubenden 360-Grad-Überblick über Paris. Vom Friedhof Montparnasse (dort liegen unter anderem  Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir begraben), über den Dom des Invalides (Grabstätte von Napoleon), Notre Dame und den Jardin du Luxembourg, bis hin zum Eiffelturm und der Hochhaus-Silhouette von “La Defense” kann man den Blick schweifen lassen – und so völlig neue Ein- und Ausblicke gewinnen.

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Ausblick auf den Eiffelturm und “La Defense”.

Musée d’Orsay

Das Gebäude, in dem das  Musée d’Orsay untergebracht ist, war ursprünglich ein Bahnhof, der zur Weltausstellung im Jahr 1900 gebaut wurde und knapp 40 Jahre auch als solcher genutzt wurde. Später verwandelte sich das Gebäude in ein Hotel, seit Mitte der 80er Jahre in ein Museum. Heute erinnern die große Halle, in der Skulpturen und Plastiken ausgestellt sind, sowie überdimensionierte Bahnhofsuhren an die Ursprungsnutzung. Zu sehen gibt es unter anderem Gemälde, Skulpturen, Grafiken und Fotografien, die allesamt grob  zwischen 1848 und dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs entstanden sind. Besonders eindrucksvoll ist die Sammlung französischer Impressionisten wie Monet oder Degas. Darüber hinaus werden beispielsweise Werke von van Gogh, Toulouse-Lautrec oder Cezanne gezeigt.

Früher Bahnhof, heute Museum.

La Défense

La Defénse heißt Europas größte Bürostadt, die ein wenig außerhalb von Paris liegt, aber dennoch bequem mit einer eigenen Metrolinie zu erreichen ist. Die Skyline erinnert ein wenig an Frankfurt, nur noch futuristischer, weil geballter. Im Fokus steht “La Grande Arche”, ein Triumphbogen moderner Fassung, mit dem sich der ehemalige französische Präsident Francois Mitterand ein architektonisches Denkmal hat setzen lassen. Ein großes Einkaufszentrum (“Les Quatre Temps”) lädt einmal mehr zum Geldausgeben ein. Charmant: Im Eingangsbereich der Mall (“Le Dome”) können Hobbytänzer von Montag bis Donnerstag zur Mittagszeit zu flotter Musik einen Cha-Cha-Cha, Jive oder Rock’n Roll wagen – sehr zur Freude der Zuschauer. Stellt man sich auf die Treppen unterhalb des Torbogens kann man übrigens bis zu dessen historischem Vorbild, dem Arc de Triomphe, blicken. Ein Moment zum genießen, der den besonderen Charme von Paris perfekt zusammenfasst.

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La Grande Arche.

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Tschüß!

Und tschüss! Mit der heutigen Ausgabe verabschiede ich mich nach zehn Jahren von der GNZ. Ab 1.Januar fungiere ich als Mitarbeiterin von Dr. Peter Tauber, MdB. Den kennen Sie vielleicht aus den „Polituren“ oder aus dem Fernsehen, weil die Bundeskanzlerin ihn am Sonntagabend zum Generalsekretär der CDUDeutschlands befördert hat.

Ach ja:Über die vielen positiven Reaktionen nach Bekanntwerden meines Wechsels vor einigen Wochen habe ich mich nicht im Geringsten gefreut – schließlich hatte ich fest mit Tränen gerechnet. Deswegen möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich allen Kritikern danken, die meinen neuen Job in der Politik als gerechte Strafe für meine Frechheiten aus den „Polituren“ der vergangenen Jahre erachten. Ja, ich habe das so was von verdient, da haben Sie Recht!

Morgen sollten sich die Frotzler aber vielleicht wieder wichtigeren Aufgaben zuwenden. Ein bisschen Weltfrieden wäre nicht schlecht, ist ja schließlich bald Weihnachten.

Übrigens: Dank der ausgezeichneten Breitbandversorgung im Main-Kinzig-Kreis finden Sie, liebe Leser, meine Texte auch weiterhin spielend leicht und wahnsinnig schnell im Internet, und zwar unter www.estherruppertlaemmer. wordpress.com.
Danke für die schöne Zeit – wir lesen uns!

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