Quote? Nein, danke!

Nein, eine Emanze wollen wir moderne junge Frauen von heute nicht sein. Das klingt nach schriller Stimme und schlechtem Kleidergeschmack, nach Alice Schwarzer und irgendwie auch nach unbefriedigter Libido.

Emanzipiert sind wir freilich dennoch: Wir sind Bundeskanzlerin und Fußballweltmeisterin, dienen in Afghanistan und fliegen ins Weltall – und die ganz Verwegenen unter uns entscheiden sich tatsächlich hin und wieder immer noch dafür, Mutter zu werden.

Nur der Weg in Vorstandsetagen und Aufsichtsratsrunden – der bleibt uns verwehrt. Und deswegen muss jetzt die Quote her, dringend, Ende der Diskussion.

Wirklich? Für mich ist die Frauenquote nicht die „ultima ratio“, sondern der bequemere Weg. Weil die Quotendiskussion das eigentliche Problem nicht lösen wird: Und das sind wir selbst.

Mal ehrlich: Machen wir Frauen uns nicht gegenseitig das Leben oft furchtbar schwer? Weil wir alles perfekt machen müssen, immer, auf allen Gebieten und am besten zeitgleich. Weil wir uns gegenseitig beäugen und kritisieren, weil es offenbar nur schwarz und weiß gibt im weiblichen Kosmos. Die gute (aber erfolglose) Mutter und die erfolgreiche (aber hartherzige) Karrierefrau.

Warum legen wir an uns höhere Maßstäbe an, als an das angeblich starke Geschlecht?

Ein Mann, der nicht mit seinem Sohn von der ersten Klasse bis zum Abitur Mathematikformeln paukt – kaum einer käme auf die Idee, ihn einen schlechten Vater zu nennen. Aber eine Mutter, die nach einem achtstündigen Arbeitstag nach Hause kommt, ihr Kind von der Tagesmutter abholt, zwischendurch schnell noch die Hausarbeit erledigt und dann die Unverfrorenheit besitzt, kein frisches Gemüse vom Wochenmarkt, sondern eine Fertigpizza zu servieren – das geht ja gar nicht.

Ich glaube nicht an geheime Männerbünde. Ich fühle mich als Frau auch nicht wertgeschätzter, wenn 40 Prozent des Aufsichtsrates von VW oder Daimler künftig einen Rock tragen. Was für eine Minderheitendiskussion führen wir da eigentlich?

Wenn große deutsche Unternehmen meinen, trotz des drohenden Fachkräftemangels auf hervorragend ausgebildete Frauen verzichten zu können – wie ist es dann wohl um die Cleverness der Firmenbosse bestellt?

Liegt es im Alltag nicht vielmehr an uns selbst, auch einmal die Klappe aufzumachen? Nicht immer freiwillig zurückzustecken, nur weil der Klaus, der Herbert und der Franz das lautere Organ besitzen? Bei Stammtischdiskussionen darauf hinzuweisen, dass die aktuelle Meinungsverschiedenheit zwischen Ursula von der Leyen und Kristina Schröder ein normaler politischer Disput ist, und kein „Zickenkrieg“? Nicht rot zu werden, wenn sich dabei vielleicht die eigene Stimme vor lauter Aufregung überschlägt? Betreuungsangebote nicht nur theoretisch gut zu heißen, sondern diese auch ohne schlechtes Gewissen in Anspruch zu nehmen? Und nicht, weil man es „muss“, sondern weil einem der ausgeübte Beruf nun einmal verdammt viel Freude bereitet? Umgekehrt „nur“ Mütter nicht zu belächeln – weil sie statt Mitleid vielmehr Respekt und Bewunderung verdient haben?

Mädels: Die Welt steht uns offen – nur erobern müssen wir uns sie schon selbst. Und zwar nicht am grünen Tisch, sondern „auf’m Platz“. Damit wir irgendwann auch auf dem Feld der dummen Sprüche den Männern das Wasser reichen können…

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Politik

3 Antworten zu “Quote? Nein, danke!

  1. Eine sehr erfrischende Meinung. Die Opferhaltung bringt einen in der Tat nicht weiter. Gerade bei Managerinnen dürfte sie eher kontraproduktiv sein. Wenn sie sich gegen ihre Kollegen nicht durchsetzen können, wie dann gegenüber dem Geschäftspartner?

  2. Bernd

    Mädels wie Sie tun einfach nur gut!

    Quoten sind nur was für Politiker die sich nicht trauen an den wirklichen Problemen zu arbeiten. Die wirklich wichtigen Themen im Arbeits- und Familienministerium sind andere. Die bleiben derweil liegen…

    Übrigens: Kann man Sie auch FLATTRn?

  3. Dankeschön! :-)
    FLATTRNn geht aber leider noch nicht…

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