Stadionkodex für das Singen ethisch-moralisch vertretbarer Fußballsongs

Nach dem  „Gaucho-Gate” ist das Singen folgender Lieder ab sofort verboten:

-          „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“ (Sexuelle Belästigung)

-          „Schwarz-weiß wie Schnee, das ist die SGE“ (Verherrlichung von Drogen)

-           „You`ll  never walk alone” (Gefahr staatlicher Überwachung)

-          „Er steht im Tor“ (Gendertechnisch `ne Katastrophe)

-          „Black and White“ (Rassistisch)

-          „Un Estate Italiana“ (Nationalistisch)

-          „Die Hände zum Himmel“ (Schlechte Erfahrungen gemacht)

-          „Er macht ihn rein“ (Schweinskram)

-          „Wir würden nie zum FC Bayern München gehen“ (Lüge)

-           „Fußball und Dosenbier“ (Schlechtes Vorbild für die Jugend)

-           „Seven Nation Army“ (Militaristisch)

-          „Schland, oh Schland“ (Verhunzung der Sprache Goethes und Schillers)

-          „Gute Freunde kann niemand trennen“ (Franz Beckenbauer)

-          „Forever Number one“ (Klingt nach 1000-jährigem Reich)

-          „Rockin’All Over the World“ (Nein, einfach NEIN!!!)

Weiterhin erlaubt sind folgende Songs:

-          „Olé, olé“ (Niedrigschwelliges Angebot für Einsteiger-Fans)

-          „Deutscher Meister wird nur der FCK“ (Tatsache)

Gutmenschentum: 1

Gesunder Menschenverstand: Nuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuull

Bitte! Danke!

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Eingeordnet unter Allgemein, Treffsicher

Wer raus geht, muss auch wieder reinkommen

Die mir völlig unbekannte Frau in der Bäckerei kommt ohne Umschweife auf den Punkt: „Also ich wollte Ihnen nur sagen: Ich vermisse Ihre Polituren total“. Bilde ich mir das ein oder schaut sie tatsächlich ein bisschen vorwurfsvoll? Nun ja, jetzt jedenfalls lächelt sie ganz freundlich. „Ähm, danke“, sage ich und werde ein bisschen rot dabei, obwohl mir das als Mitarbeiterin eines CDU-Bundestagsabgeordneten wahrscheinlich vertraglich gar nicht mehr erlaubt ist und obwohl ich mir hinterher denke, dass „Danke“ in der Hitliste der dämlichsten Antworten in diesem konkreten Fall wahrscheinlich ziemlich weit oben stehen dürfte.

Vor drei Monaten habe ich meinen Job als Redakteurin bei der GNZ an den Nagel gehängt und damit auch meine samstägliche Glosse, die „Polituren“, zurückgelassen. Leicht gefallen ist mir das nicht. Der Gedanke „Das muss ich mir für die Polituren merken!“ durchzuckt mich bei der morgendlichen Lektüre der heimischen Tageszeitungen regelmäßig. Beispielsweise konnte ich dem Wächtersbacher Bürgermeister Rainer Krätschmer gar nicht zu seiner Auszeichnung als „Mensch des Jahres“ gratulieren. Wobei man an dieser Stelle festhalten muss, dass die Menschen in der Wächtersbacher Partnerstadt Troizk entweder a) sehr pessimistisch oder b) äußerst genügsam sind, wenn sie eine Auszeichnung mit dieser Tragweite bereits im Februar verleihen. Aber sei es drum, diese Würdigung für sein Lebenswerk hat der SPD-Mann ohne Zweifel verdient, auch weil er – wie er selbst in aller Bescheidenheit sagt – meinen Chef Dr. Peter Tauber erst zudem gemacht hat, was er heute ist: einen CDU´ler aus tiefster Überzeugung.

Dass die beiden sich dennoch trotz aller politischen Meinungsverschiedenheiten irgendwie auf eine tiefenpsychologisch wahrscheinlich äußerst spannende Art und Weise verbunden sind, beweist folgende kleine Begebenheit, die ich vor einigen Wochen am Rande einer Veranstaltung erleben durfte: Im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten und Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Michael Roth, in der evangelischen Kirche in Wächtersbach kam Peter Tauber immer und immer wieder auf seinen alten kommunalpolitischen Kumpan Rainer Krätschmer zu sprechen. Bis es Michael Roth irgendwann zu bunt wurde und er leicht empört wissen wollte: „Wer ist eigentlich dieser Rainer Krätschmer?“ Sie können sich sicher vorstellen, was für ein Raunen durch das Gotteshaus ging! „Der kennt den Krätschmer nicht! Den Mensch des Jahres! Und das, obwohl er doch selbst ein Sozi ist!“ Glücklicherweise – oder besser gesagt: Gott sei Dank! – befanden wir uns nicht in katholischer Gesellschaft, sonst hätte sich die Tür zum Fegefeuer für Herrn Roth wahrscheinlich umgehend geöffnet. Aber weil ich ja keine „Polituren“ mehr schreibe, wird nie jemand von dieser lustigen Begebenheit erfahren. Wobei…ups. Naja, weiter im Text.

Und dann ist da noch die Sache mit der Nostalgie. Bei einem Arztbesuch fühlte ich mich neulich angesichts der der gereizten Stimmung im Wartezimmer, der teilweise wirren Diskussionen meiner Mit-Wartenden in breitestem hessisch sowie einer strickenden Sitznachbarin so fatal an meine geliebten Kreistagssitzungen erinnert, dass der Schmerz, der mich plötzlich erfasste, mich mein eigentliches Leiden fast vergessen ließ. Kinder, was hatten wir für eine tolle Zeit! Vormittage, die sich wie Jahre dahinzogen, Jahre, die sich im Rückblick wie Jahrhunderte anfühlen. Jede einzelne dieser gefühlt Abermillionen Sekunden hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt. Sowas vergisst man nicht so einfach. Selbst man wollte. Selbst wenn es verdammt noch mal sehr gern wollte!

Das einzige, was mir geblieben ist, ist mein Chef. Sie wissen schon, das ist dieser Generalsekretär der CDU Deutschlands. Der, der die versammelte Journalisten-Schar Deutschlands seit Wochen mit Star-Wars-Zitaten begeistert. Nicht verstehen ich das muss. Aber amüsieren darüber ich dennoch mich kann! Und während ich nun also irgendwie auf der dunklen Seite der Macht gelandet bin (nett hier!) fiel mir ein, dass es da ja noch dieses putzige kleine Blog gibt, das ich in den vergangenen Monaten so sträflich vernachlässigt habe. Hier werde ich nun also in unregelmäßigen Abständen von meinen neuen Alltag berichten. Wie immer rein subjektiv, was objektiv gesehen auch einfach viel unterhaltsamer ist.

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Je <3 rien, je suis parisienne

Wer kennt sie nicht, die berühmten “I <3 New York”-T-Shirts aus einschlägigen  Touristenshops in den USA? In Paris hört sich das ein bisschen anders an: “Je <3 rien, je suis parisienne” prangt auf dem Shirt in dem kleinen Straßenladen um die Ecke. Wir halten fest: an Selbstbewusstsein mangelt es den Parisern schonmal  nicht. Warum auch? Zugegeben, das mit Paris und mir, das war Liebe auf den zweiten Blick. Nach einem eher unschönen Erlebnis, an dem eine Kuttelwurst (Warnung, en française: “Andouillette”) nicht ganz unschuldig war, habe ich der Stadt an der Seine nach zahlreichen kürzeren und längeren Stippvisiten in den vergangenen Monaten viele positive Seiten abgewinnen können. Hier meine ganz persönlichen Tipps und Highlights.

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Blick auf Eiffelturm und Champ de Mars.

Disneyland Paris

Die Franzosen stehen allem amerikanischen bekanntlich etwas… nun, nennen wir es “skeptisch” gegenüber. Das gilt offenbar nicht für Disneyland, jedenfalls war dort die Hölle los. Wer sich auch nur ein klitzebisschen Kindsein bewahrt hat, wird hier viel Spaß haben. (Und ich kann das beurteilen, ich bin zehn Stunden lang mit Minnie-Maus-Ohren auf dem Kopf durch den Park gestapft.) Besonders empfehlenswert aus meiner Sicht: Big Thunder Mountain, das Geisterhaus, die Piraten der Karibik und natürlich ein Flug übers nächtliche London mit Peter Pan (#hach). Die benachbarten Walt Disney Studios bieten unter anderem Spaß in Crush’s Coaster  und eine rasante Fahrt im Armageddon Rock’n Rollercoaster (ohne Bruce Willis, dafür mit Mucke von Aerosmith). Bringt bequeme Schuhe mit und Zeit zum Anstehen. Insgesamt leider kein billiger Spaß (das Tagesticket kostet circa 70 Euro für Erwachsene, 64 Euro für Kinder) – aber, hey: that’s Paris (zumindest geografisch)!

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Cinderella’s Castle.

Das Riesenrad am Place de la Concorde

Für zehn Euro pro Nase genießt man einen einmaligen Blick über die Avenue de Champs-Élysées. Abends besonders schön, wenn die Stadt unter einem glitzert und funkelt. Jacke nicht vergessen. Da oben zieht’s!

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Hoch hinaus im Riesenrad.

Château de Versailles

Marie-Antoinette haben wir nicht getroffen, wahrscheinlich gab’s deswegen auch keinen Kuchen. Trotzdem: sehenswert, sehenswert, sehenswert! Französische Geschichte bis zum Abwinken und auch ein bisschen deutsche (Stichwort “Spiegelsaal” und “Versailler Vertrag”). Tolle Schlachtenbilder für die Jungs, viel Brokat und Kronleuchter-Pomp für die Mädels. Tipp: Am ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt (wie in vielen staatlichen Museen) kostenlos.

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Im Spiegelsaal wurde Geschichte geschrieben.

Rue Montorgueil/Quartier Les Halles

Das “Forum Les Halles” ist ein riesiges unterirdisches Einkaufszentrum mit rund 160 Einzelhandelgeschäften. Besonders empfehlenswert ist der ENORME Buchladen fnac, der alles hat, was des Literaten Herz begehrt.(Allerdings sollte des Literaten-Herz der französischen Sprache mächtig sein, da der Bestand an ausländischer Literatur Platz auf einem mickrigen Regal in Ikea-Billy-Standard-Größe findet.) Unweit davon (oberirdisch, logo) befindet sich die Rue Montorgueil, ein wirklich sehr belebtes Kneipen- und Ausgehviertel. Hier sitzt man an allen Tagen bis spät in die Nacht an kleinen Bistrotischen, am liebsten draußen vor der Tür, gewärmt von französischem Rotwein und umweltunfreundlichen Heizpilzen. Rotlackierte Damenfinger halten dabei fakultativ eine Zigarette in der Hand und fuchteln damit dramatisch in der Luft herum. Geht aber auch ohne Kippe.

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Reger Betrieb rund um die Rue Montorgueil.

Jardin du Luxembourg

Der Park zieht nicht nur Sonntagsausflügler aller Altersklassen an. Auf rund 26 Hektar gepflegter Gartenfläche kann man rund um das Palais du Luxembourg, den Sitz des französischen Senats, flanieren. Für Kinder gibt es ein Kasperletheater, Ponyreiten und Kutschfahrten; größere Kinder und ehemalige Kinder können mitgebrachte Modelboote in einem  großen Wasserbassin in See stechen lassen. Insbesondere für die zahlreichen Studenten der benachbarten Universität wurden ebenso zahlreiche Klappstühle im Park verteilt, auf denen es sich herrlich die Nase in die Sonne (Wind, Regen, Imbissduft von nebenan…)  halten lässt.

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Das Palais du Luxembourg ist der Sitz des französischen Senats.

Galeries Lafayette/Kaufhaus “Printemps”

Wer in kurzer Zeit viel Geld ausgeben möchte, dem sei ein Abstecher in die “Grand magasins” am Boulevard Haussmann empfohlen. In unmittelbarer Nachbarschaft bieten die Galeries Lafayette und das Edel-Kaufhaus “Printemps” alles, was das Shopping-Herz begehrt. Wer die wirklich knackigen Preise nicht bezahlen kann, kann sich hier zumindest reichlich Inspiration für die nächste Saison holen – völlig kostenlos.

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Pariser Mode?

Tour Montparnasse

Eine wirklich sehr lohnenswerte Investition sind die 14 Euro, die man pro Person für eine Fahrt auf den Tour Montparnasse hinlegen muss. Das 210 Meter hohe Bürogebäude war bis 2011 das höchste Gebäude Frankreichs und bietet einen atemberaubenden 360-Grad-Überblick über Paris. Vom Friedhof Montparnasse (dort liegen unter anderem  Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir begraben), über den Dom des Invalides (Grabstätte von Napoleon), Notre Dame und den Jardin du Luxembourg, bis hin zum Eiffelturm und der Hochhaus-Silhouette von “La Defense” kann man den Blick schweifen lassen – und so völlig neue Ein- und Ausblicke gewinnen.

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Ausblick auf den Eiffelturm und “La Defense”.

Musée d’Orsay

Das Gebäude, in dem das  Musée d’Orsay untergebracht ist, war ursprünglich ein Bahnhof, der zur Weltausstellung im Jahr 1900 gebaut wurde und knapp 40 Jahre auch als solcher genutzt wurde. Später verwandelte sich das Gebäude in ein Hotel, seit Mitte der 80er Jahre in ein Museum. Heute erinnern die große Halle, in der Skulpturen und Plastiken ausgestellt sind, sowie überdimensionierte Bahnhofsuhren an die Ursprungsnutzung. Zu sehen gibt es unter anderem Gemälde, Skulpturen, Grafiken und Fotografien, die allesamt grob  zwischen 1848 und dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs entstanden sind. Besonders eindrucksvoll ist die Sammlung französischer Impressionisten wie Monet oder Degas. Darüber hinaus werden beispielsweise Werke von van Gogh, Toulouse-Lautrec oder Cezanne gezeigt.

Früher Bahnhof, heute Museum.

La Défense

La Defénse heißt Europas größte Bürostadt, die ein wenig außerhalb von Paris liegt, aber dennoch bequem mit einer eigenen Metrolinie zu erreichen ist. Die Skyline erinnert ein wenig an Frankfurt, nur noch futuristischer, weil geballter. Im Fokus steht “La Grande Arche”, ein Triumphbogen moderner Fassung, mit dem sich der ehemalige französische Präsident Francois Mitterand ein architektonisches Denkmal hat setzen lassen. Ein großes Einkaufszentrum (“Les Quatre Temps”) lädt einmal mehr zum Geldausgeben ein. Charmant: Im Eingangsbereich der Mall (“Le Dome”) können Hobbytänzer von Montag bis Donnerstag zur Mittagszeit zu flotter Musik einen Cha-Cha-Cha, Jive oder Rock’n Roll wagen – sehr zur Freude der Zuschauer. Stellt man sich auf die Treppen unterhalb des Torbogens kann man übrigens bis zu dessen historischem Vorbild, dem Arc de Triomphe, blicken. Ein Moment zum genießen, der den besonderen Charme von Paris perfekt zusammenfasst.

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La Grande Arche.

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Tschüß!

Und tschüss! Mit der heutigen Ausgabe verabschiede ich mich nach zehn Jahren von der GNZ. Ab 1.Januar fungiere ich als Mitarbeiterin von Dr. Peter Tauber, MdB. Den kennen Sie vielleicht aus den „Polituren“ oder aus dem Fernsehen, weil die Bundeskanzlerin ihn am Sonntagabend zum Generalsekretär der CDUDeutschlands befördert hat.

Ach ja:Über die vielen positiven Reaktionen nach Bekanntwerden meines Wechsels vor einigen Wochen habe ich mich nicht im Geringsten gefreut – schließlich hatte ich fest mit Tränen gerechnet. Deswegen möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich allen Kritikern danken, die meinen neuen Job in der Politik als gerechte Strafe für meine Frechheiten aus den „Polituren“ der vergangenen Jahre erachten. Ja, ich habe das so was von verdient, da haben Sie Recht!

Morgen sollten sich die Frotzler aber vielleicht wieder wichtigeren Aufgaben zuwenden. Ein bisschen Weltfrieden wäre nicht schlecht, ist ja schließlich bald Weihnachten.

Übrigens: Dank der ausgezeichneten Breitbandversorgung im Main-Kinzig-Kreis finden Sie, liebe Leser, meine Texte auch weiterhin spielend leicht und wahnsinnig schnell im Internet, und zwar unter www.estherruppertlaemmer. wordpress.com.
Danke für die schöne Zeit – wir lesen uns!

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Eingeordnet unter ERLesenes

Sag zum Abschied leise…

Das war‘s dann also: Nach zehn Jahren verlasse ich in einigen Wochen die GNZ und wechsele als Mitarbeiterin in das Team von Dr. Peter Tauber, MdB.  Einige hat dieser Schritt überrascht, vor allen Dingen, da ich in den vergangenen Jahren als Kommentatorin die heimische Politikwelt immer wieder glossierend aufs Korn genommen habe.

Nicht überraschend kommt diese Entscheidung für die Menschen, die mich persönlich kennen. Ich bin schon immer ein politisch denkender, streitbarer Mensch. Daran hat sich auch in meinen Jahren als Redakteurin nichts geändert. Das Angebot, selbst – wenn auch im Hintergrund – im politischen Betrieb „mitmischen“ zu dürfen, hat mich gereizt. In meiner Abitur-Zeitung stand damals als Berufswunsch: Journalistin oder Bundeskanzlerin. Teil eins habe ich erreicht. Teil zwei soll jetzt keine Drohung sein.

Persönliche Meinung ist jedoch das eine, Arbeit das andere. Ich habe stets nach bestem Wissen und Gewissen versucht,  neutral über das lokalpolitische Geschehen zu berichten. Meist ist mir das sehr leicht gefallen, da ich nicht an festgefahrene Ideologien und Schwarz-Weiß-Denken glaube. Ich habe in allen politischen Parteien Menschen getroffen, deren Arbeit und deren Einsatz ich sehr schätze.  Ich  habe aber auch Menschen getroffen, die ich nach einigen  persönlichen Erfahrungen schlicht als Menschen nicht schätze. Welche Farbe deren Parteibuch hat? Irrelevant.

Ein dickes Dankeschön möchte ich an  meine „Chefs“ im Druck- und Pressehaus Naumann richten. Für eine kleine, aber feine Tageszeitung  wie die GNZ ist eine Rubrik wie die „Polituren“ keine Selbstverständlichkeit. Wie viele Lokalfürsten fühlten sich in den vergangenen Jahren von uns auf den Schlips getreten… ich habe irgendwann aufgehört zu zählen. Ein ganzer Ordner voller hochoffizieller  „Mecker-Briefe“ beweist jedenfalls, dass wir nicht nur gelesen, sondern durchaus auch ernst genommen wurden. Mehr kann Satire nicht erreichen.

Wie eine Wand standen (und stehen) Chefredakteur und Verleger vor uns, wenn montagsmorgens mal wieder mehr oder weniger durch die Blume Konsequenzen für den betroffenen Polituren-Schreiber gefordert wurden.  Vergeblich, versteht sich. Denn die GNZ-Familie ist stolz auf ihr Alleinstellungsmerkmal – zu Recht.

Meinen tollen Kollegen  wünsche ich für die Zukunft allen Erfolg der Welt.  Lasst Euch nicht unterkriegen. Und vergesst mich nicht ganz. Kleine Gedankenstütze:  Ich war die, die meistens anderer politischer Meinung war als Ihr.

Ich hab‘  Euch trotzdem lieb.

Eure

Esther

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Eure Toleranz ist nicht meine

Familienministerin Kristina Schröder gibt ihr Amt als Bundesfamilienministerin auf, um sich nach eigener Aussage künftig intensiver um ihre zweijährige Tochter Lotte kümmern zu können. In einem viel diskutierten Interview mit dem „Spiegel“ (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/ministerin-kristina-schroeder-ermuntert-frauen-zum-zuhausebleiben-a-926305.html) verteidigt sie diesen Schritt: „Ich habe viele schöne Momente mit meiner Tochter verpasst. Oft hatte ich das Gefühl, zu wenig Zeit mit der Kleinen zu haben. Künftig möchte ich mehr von meiner Familie haben.“ Zudem hält sie eine Politik für falsch, die jungen Eltern einrede, spätestes ein Jahr nach der Geburt eines Kindes „beruflich konstant Vollgas geben zu müssen, und eine durchgehende Vollzeit-Erwerbstätigkeit als Norm vorgibt“.

Man kann von diesen Aussagen halten, was man will. Fakt ist, dass Kristina Schröder selbst rund drei Monate nach der Geburt an ihren Schreibtisch ins Ministerium zurückkehrte. Nun hat sie ihre Meinung offenbar geändert und zieht sich aus der ersten Reihe der Bundespolitik zurück.

Ich bin weder der größte Kristina-Schröder-Fan unter der Sonne, noch kenne ich weitere Hintergründe oder gar Interna, welche Gründe Kristina Schröder  nun letztendlich wirklich zu diesem Schritt bewogen haben. Dass sie für ihre Familienpolitik vielfach nicht gerade stehende Ovationen geerntet hat, und es auch in den eigenen Reihen nicht immer leicht hatte – Stichwort  „Frauenquote“, dürfte keinem aufmerksamen Beobachter entgangen sein.

Fakt ist aber: Kristina Schröders Entscheidung ist zu akzeptieren. Genauso wie ihre Entscheidung, ihre Beweggründe öffentlich zu machen. Vorwürfe, die scheidende Ministerin „verstecke“ sich jetzt aufgrund anhaltender Erfolglosigkeit hinter ihrer Tochter oder propagiere einen „falschen“, weil eher konservativen, Lebensentwurf, halte ich nicht nur für unverschämt, sondern schlicht anmaßend.

Jeder Lebensentwurf sollte gleichberechtigt neben dem anderen stehen, auch wenn er nicht mit den eigenen Ansichten übereinstimmt. Dass gerade aus der feministischen „Ecke“ hier jetzt wieder das Klagelied gegen das „Heimchen am Herd“ – die Frau bleibt immer noch Bundestagsabgeordnete, meine Güte! – angestimmt wird, finde ich bezeichnend.

Echte Toleranz endet nicht da, wo die Meinung des anderen anfängt.  Das gilt links wie rechts und erst recht in der Mitte der Gesellschaft. Solange sich Frauen noch gegenseitig solch einen ideologischen Blödsinn an den  Kopf werfen, brauchen wir über die Lufthoheit in irgendwelchen Aufsichtsräten nicht mal zu diskutieren.

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Eingeordnet unter Politik

Nix kapiert

Liebe Mitwählerinnen und Mitwähler,

was war das nun wieder, bitteschön? Habt Ihr einmal, nur ein einziges Mal, daran gedacht, was Ihr mit Eurem verqueren Gewähle den Politikern antut? Was sollen die denn jetzt mit diesem Ergebnis anfangen?
Ihr wollt eine Große Koalition? Ihr seid ja wohl total bescheuert!
Oder doch lieber Schwarz-Grün? Vergesst es!
Wie, Rot-Rot-Grün wäre auch eine Variante? Ich glaub‘, es hackt!
Sämtliche dieser Konstellationen wurden doch wahlweise laut und deutlich, mehr oder weniger, zwischen den Zeilen, schon aus Prinzip, Ignoranz oder völliger Selbstüberschätzung ausgeschlossen. UND IHR WÄHLT TROTZDEM SO EINEN STUSS ZUSAMMEN!
Die Ansage lautete: Schwarz-Gelb oder Rot-Grün. Aus die Maus. Friss oder stirb. Ruhe im Karton.
Und wenn Ihr das nicht einsehen wollt, dann wählen wir eben so lange, bis das Ergebnis stimmt. Wer darauf keine Lust hat, muss ja nicht mitmachen und bleibt beim nächsten Mal einfach zu Hause.
*
So wie ich beispielsweise, falls es tatsächlich Neuwahlen geben sollte. Wie heißt es so schön? „Jedes Volk erhält die Regierung, die es verdient.“
Heißt im Umkehrschluss: Verdienen wir keine Regierung, verdient offenbar auch keine Regierung meine Stimme.
So einfach ist das.
*
Obwohl: Humor haben die Damen und Herren in Berlin ja. Nehmen wir zum Beispiel Peter Altmaier: Nachdem man sich in Bad Soden-Salmünster recht eindeutig gegen den Bau von Windkraftanlagen positioniert hatte, überraschte der Bundesumweltminister Bürgermeister Lothar Büttner nun mit einem solarbetriebenen Miniatur-Windrad für dessen Büro.
Wobei das mit dem Solarantrieb natürlich überflüssig ist: Die viele heiße Luft, die im Politbetrieb produziert wird, dürfte locker ausreichen, um unseren Energiebedarf bis zum Sankt Nimmerleinstag abzudecken.
*
Guttenberg kommt! Nach Bad Orb! Die Einladung der Bürgerinitiative Gegenwind für eine Vortragsveranstaltung kommenden Mittwoch in der Kurstadt löste helle Aufregung in der Redaktion aus.
Bis dann die Ernüchterung einsetzte: Nicht etwa Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg, Lichtgestalt a.D. der deutschen Politik, referiert zum Thema Windkraft in der Kurstadt, sondern sein Vater, Enoch zu Guttenberg.
Diese Guttenbergs. Plagiieren alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Sogar Nachnamen.
*
Meine Mutter übrigens, Herzens-Sozialdemokratin seit immer und ewig, hegt trotz aller Zwischenfälle der Vergangenheit noch immer eine gewisse Schwäche für den CSU-Baron aus Bayern.
Was mich zu folgender Überlegung bringt: Könnte man die Sozis vielleicht mit ganz einfachen Mitteln dazu bewegen, ihre Vorbehalte gegen eine Große Koalition über Bord zu werfen?
Oder andersrum gefragt: Hat mal jemand eine Tube Haargel für Angie übrig?

Quelle: Gelnhäuser Neue Zeitung, “Polituren”, 5.Oktober 2013

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